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Seemannsfrauen erzählen

Das Weihnachtsangebot

Rechtzeitig zu Weihnachten haben wir für Sie ein Angebot:

Dreizehn Weihnachten auf See in der 1. Auflage für 6,50 Euro. Es sind die letzten Exemplare die auf dem Markt.

Peter-M. Luserke

     
Seemannsfrauen erzählen

Ein kleines Vorwort zum neuen Buch:
Dreizehn Seemannsfrauen erzählen

Im vergangenen Jahr, nach dem Erscheinen der „Dreizehn Kapitänsgeschichten“ fragte mich eine Redakteurin: „Was folgt jetzt als nächstes Projekt?”
Gute Frage, dachte ich – eigentlich sollten wieder Seemanns-geschichten und Erlebnisse von mir persönlich erzählt werden.
„Warum nicht mal Seemannsfrauen berichten lassen?“, meinte sie.
Ähnlich hatte sich vorher auch schon ein Buchhändler aus Brunsbüttel geäußert. Die Idee faszinierte mich und ich konnte nach ein paar Telefongesprächen (unter anderen mit der Redakteurin Astrid Schmidt, die ja ebenfalls mit einem Kapitän verheiratet ist, der mir als Co-Autor bereits im letzten Buch eine Geschichte zur Verfügung stellte), Zustimmung für dieses Projekt finden. Jetzt musste ich nur noch meinen Verleger überzeugen und los ging´s!
Die Geschichten, die ich sammeln konnte, zeigten mir eines: Auch wenn sich im alten Teil der Bundesrepublik der Werdegang von Seemannspaaren (Seefahrtsschule, Steuermanns-Patent – Verlobung, Seefahrtsschule, Kapitänspatent – Hochzeit) von dem der Seemannsfamilien im neuen Teil Deutschlands oft unterscheidet – eines galt hüben wie drüben: Die Frauen hatten so manche Schwierigkeiten zu meistern, die oft langen Trennungen vom Ehemann zu überstehen, die alleinige Verantwortung für die Kindererziehung zu bewältigen. Seemannsfrauen halten ihrem Seemann den Rücken frei, damit er seinen verantwortungsvollen Job machen kann – immer mit dem beruhigenden Wissen: zu Hause läuft alles seinen Gang. So sind die meisten Erzählungen zwar amüsant aber doch vor einem ernsten Hintergrund zu betrachten.
Denn Seefahrt West war nicht gleich Seefahrt Ost. Die Menschen hatten zwar die gleichen Sehnsüchte und Bedürfnisse, doch die gesellschaftlichen Unterschiede schufen andere Bedingungen. Die Erzählungen in diesem Buch zeigen auch diese Unterschiede aus der Sicht der Ehefrauen, knüpfen aber gleichzeitig ein Band zwischen den Seemannsfrauen in Ost und West.
Ich freue mich sehr, auch eine gestandene „Seefrau“, Alexandra Pohl, für einen Beitrag gewonnen zu haben, die ihre Geschichte aus völlig anderer Sicht schreibt. Nicht als Ehefrau, Geliebte oder Freundin, sondern als selbst ge- und erfahrene Patentinhaberin, die das Bordgeschehen natürlich völlig anders sieht.

Peter-M. Luserke

     
Welt Am Sonntag

Berliner Morgenpost

Heiligabend auf hoher See
von Karin Lubowski

Wie wird Weihnachten an Bord eines Schiffs weitab von zuhause gefeiert? Eine Ausstellung in Flensburg berichtet von Bräuchen der Seefahrer im Spiegel der Zeiten
Die meisten Menschen zieht es Weihnachten nach Hause. Was aber, wenn das nicht geht - bei Seeleuten, die Tausende Meilen von zu Hause entfernt durch die Weltmeere schippern? Kann man wirklich auf See feiern, unter Fremden und südlich-heißer Sonne? Oder wird das Heimweh in Rum ersäuft?
"Weihnachten liegen an Bord Gefühle blank", sagt der Kapitän a. D. Peter-Michael Luserke aus Schleswig-Holstein. Ganze drei Mal verbrachte er zu Fahrenszeiten - und das sind fast 30 Jahre - das Fest bei seiner Familie. Viele andere Heilige Abende hat seine Frau keine Mühen gescheut, um wenigstens kurze Zeit mit ihm verbringen zu können - dort, wo sein Schiff gerade angelegt hatte.
Leicht ist Dorothee Luserke, Tochter eines Fischers, nicht zu erschüttern. Aber Weihnachten allein? "Wir haben auch ohne ihn immer gefeiert, wie es sich gehört", sagt die Mutter dreier Söhne. "Aber wenn die Kerzen dann heruntergebrannt waren und ich allein in der Stube saß, musste ich doch manches Mal schlucken."
Wann immer es möglich war, reiste sie ihrem Mann hinterher - trotz ihrer Anfälligkeit für Seekrankheit. Einmal überraschte sie ihn in Rotterdam. Nicht nur Geschenke brachte sie mit, sondern auch den jüngsten Sohn und den Hund - und übernahm auch gleich die Kombüse, aus der der heimwehkranke Smutje geflohen war.
Solche gemeinsamen Feste sind für viele Seeleute unvergessliche Ausnahmen. "Natürlich wird auch an Bord gefeiert", sagt Luserke. "Es gibt Braten und einen Tannenbaum. In früheren Zeiten wurden Telegramme verlesen, und wir hörten natürlich Norddeich Radio. Dann haben sich Kapitän und Offiziere möglichst früh zurückgezogen, damit die Mannschaft sich in Ruhe betrinken konnte. Am Heiligen Abend werden selbst die rauesten Seebären sentimental."
Ohne die christliche Seefahrt wäre Weihnachten wohl nicht das Fest, das heute in aller Welt gefeiert wird. Es waren schließlich Seeleute, die Weihnachtsbräuche um die Erde schipperten. Den mit Kerzen geschmückten Tannenbaum zum Beispiel, der seinen Ursprung um 1660 in Deutschland hatte, brachten aus dem Erzgebirge stammende Seefahrer in die Welt hinaus.
Und die Geschichte vom Nikolaus importierten holländische Seefahrer 1621 in die Neue Welt, als sie zum Dank für eine gelungene Überfahrt eine "Sinterklaas"-Statue in Manhattan aufstellten. Das war kein Zufall: Der Nikolaus ist seit jeher Schutzpatron nicht allein der Kinder, sondern auch der Kaufleute und Seefahrer. Der niedersächsische Küstenlandkreis Cuxhaven hat den Heiligen darum auch in seinem Wappen verewigt.
Selbst nüchterne Seemänner erinnern sich in der Fremde gern an die Traditionen. "Gelebtes Brauchtum", nennt das Thomas Overdick vom Flensburger Schiffahrtsmuseum, das die Sonderausstellung "Weihnachten auf See" (siehe Kasten) zeigt. Das Thema ist ein Phänomen mit "vielen Geschichten, aber kaum Material", dafür aber umso mehr Gefühl, das sich, je größer die Entfernung zur Heimat, desto fester an den Tannenbaum klammert. In der Kaiserlichen Marine entstand vor über 100 Jahren der Brauch, dass ein deutsches Schiff, egal wo es sich befindet, zu Weihnachten an der Mastspitze einen Christbaum aufpflanzt.
Die Ausstellung zeigt auch eine Tanne, die per Schlauchboot bei schwerer See vor Grönland vom Fischtrawler "Ahrensburg" aufgenommen wurde, und an der die Salzkristalle heller funkelten als andernorts das Lametta. Ebenfalls sehenswert ist ein Christbaum Marke Eigenbau, den der Zimmermann der Viermastbark "Hebe" im Jahr 1900 vor Chile für einen heimwehkranken Schiffsjungen bastelte - aus Besenstiel, Seil, Ketten und grüner Farbe.
Dekoriert wurde auch der Rettungsring des Kreuzfahrtschiffs "Maxim Gorki": einer Flasche Krimsekt hängt darin. Flasche und Ring verschenkten die russischen Seeleute als Dank für einen geschenkten Baum im fremden Hafen.
Auch das Segelschulschiff "Gorch Fock" schmückt alljährlich ein selbst gebastelter Christbaum aus gefärbtem Tauwerk. Erst wenn das Schiff kurz vor Weihnachten von seiner Ausbildungsreise in Kiel angekommen ist, ergänzt eine Tanne am Bug den festlichen Schmuck.
Eine deftige Weihnachts-Anekdote spielt an Bord der preußischen Brigg "Königin Elisabeth" vor gut 150 Jahren: "Gott sei seiner Seele gnädig!" konterte der Kapitän einen Mann-über-Bord-Alarm im Sturm. Als man ihm aber meldete, dass nicht ein Matrose, sondern das zum Weihnachtsbraten bestimmte Bordschwein in die tosende See gestürzt war, brüllte er augenblicklich: "Boot utsetten un das Swien bargen!" (plattdeutsch für "Boot aussetzen und Schwein bergen!"). Doch da sich keine Freiwilligen fanden, blieb der Braten auf See.
Überraschungen zu Weihnachten hat auch Kapitän Luserke erlebt. So schildert er im Buch "13 Weihnachten auf See" sein erstes Fest fern von zu Hause als 14-jähriger Schiffsjunge: "Zwar waren wir damals noch nicht cool, aber kernig, womit man Gefühlsduselei auch erstickte ..." Kurzzeitig habe er aber dann doch die Fassung verloren: "Weil ich an Bord ein Riesenpaket von meiner Mutter erhielt."

Wie kommt der Baum an Bord?
Ausstellung

Wie kommt der Christbaum an Bord, und wie wird Ersatz beschafft, wenn kein Baum verfügbar ist? Fragen wie diese beantwortet das Flensburger Schifffahrtsmuseum in der Sonderausstellung "Weihnachten auf See", die noch bis 6. Januar 2008, Dienstag bis Sonntag, 10 bis 16 Uhr, zu sehen ist. Zeitgleich kann dort auch die speziell für Kinder konzipierte Schau "Förde - Ostsee - Ozean. Kapitäne" besucht werden.

     

Kapitäns-Erinnerungen

Was zu Weihnachten an Bord passieren kann, und wie Seemannsfrauen mit den Berufen ihrer Männer klarkommen, hat der Kapitän a.D. Peter-Michael Luserke, 63, aus Schleswig-Holstein in zeitlosem, klarem Stil aufgeschrieben. Mit viel Herz und Humor erzählt er in seinen Lebenserinnerungen "Dreizehn Weihnachten an Bord" Advents-Anekdoten aus mehr als 30 Jahren auf See. Luserkes Buch ist erschienen im "verlageinundsiebzig" (im Internet www.verlag71.de) und kostet 7,90 Euro.  kim

Resonanzen
Berliner Morgenpost 22. Dezember 2007
Welt am Sonntag 23. Dezember 2007